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Eintrag vom 28.02.2012 um 10:40
Geschrieben von:  Strube, Gert Joachim
E-Mail an Strube, Gert Joachim senden  E-Mail Sehr geehrter Herr Tschiche,
vielen Dank für Ihren Beitrag in der SZ vom 27.02.2012, der meine volle Zustimmung findet. Auch für mich ist Herr Gauck wegen seiner neoliberalen Grundhaltung, mit offenbar fehlendem Bewußtsein für die realen sozialen Probleme in unserem Land als Bundespräsident untauglich.
Dem Artikel und den zugänglichen früheren Veröffentlichungen von Ihnen entnehme ich eine weitgehende Übereinstimmung in der Beurteilung der jüngeren deutschen Geschichte. Ich erlaube mir deshalb einen Leserbrief, den ich nach den "Feiern" zum Mauerfall im Nov. 2011 an die SZ geschickt habe, der leider stark verkürzt, besonders ohne den letzten Satz erschien, beizufügen.

Gert J. Strube


Leserbrief zum Beitrag von H. Prantl: „Eingemauert in Ruinen“ SZ vom 13 08. 2011


Der Bau der Berliner Mauer war ein barbarischer Akt, der nicht nur den Bewohnern der Stadt erhebliches Leid zugefügt hat, sondern auch DDR-Bürgern den letzten gefahrlosen Weg in die Freiheit versperrt hat. Daran zu erinnern ist legitim und notwendig. Allerdings finden die 16 Mill. Menschen, die in der ehemaligen DDR gelebt und gearbeitet haben, mit Ausnahme der SED-Machthaber, der Stasi-Mitarbeiter und der Mauerschützen bei den pathetischen Gedenkreden kaum Erwähnung. Wenigstens in einem Satz deutet Herr Prantl an, daß die Menschen im Osten nicht nur gelitten, sondern in der Regel ein ganz normales Leben geführt haben.
Auch der Hinweis auf die längst vollzogene Abriegelung der beiden Teile Deutschlands außerhalb Berlins durch den „Eisernen Vorhang“ ist richtig. In weiten Bereichen des Westens, vor allem in vielen Köpfen war der Osten längst abgeschrieben. Während die Partei- und Staatsführung der DDR nicht müde wurde, von zwei Deutschen Staaten zu sprechen und die BRD als westliches Ausland zu bezeichnen, sprachen Herr Strauß und Co. in Sonntagsreden von den „Brüdern und Schwestern im Osten“. Damit war das Interesse an den Menschen im Osten aber auch schon erschöpft. Die meisten DDR- Bürger waren durch Funk und Fernsehen gut bis sehr gut über das Leben und auch die Politik im Westen informiert. Die wichtigsten Politiker waren bestens bekannt und auch die jungen Leute wußten, wo Köln, Hamburg oder München liegt. In den Bayerischen Schulen kam die DDR so gut wie nicht vor. Als ich 1982 nach Freikauf aus DDR-Haft durch die damaligen Bundesregierung nach Bayern kam, mußte ich beim zuständigen Landratsamt gültige Ausweispapiere beantragen, Nachdem man meinen Unterlagen entnommen hatte, daß ich in Kassel geboren wurde und jetzt aus Thüringen kam, war die erste mich schockierende Frage: „Wann und warum haben Sie Deutschland verlassen“? Nicht irgendwo – auf einem Bayerischen Landratsamt! Da ich als Bayerischer Neubürger so viel Unwissenheit nicht glauben konnte, habe ich mich später immer wieder, besonders bei Mitschülern meiner Kinder, die ein Bayerisches Gymnasium besuchten, nach in der Schule erworbenen Kenntnissen über die Geographie, die Wirtschaft oder das Leben in der DDR erkundigt. Mit dem Ergebnis, daß sich der erste erschreckende Eindruck verfestigte.
In Schlagwörter wie Mauer, Stacheldraht, Stasi, Schießbefehl erschöpfte sich das Wissen.
Gelegentlich wurde noch von Armut und Hunger gesprochen.
Nun ist die Mauer weg. Und was erwarten die Politik und die meisten Medien, wie man die ehemalige DDR heute und in Zukunft sehen soll. Natürlich muß die Erinnerung an die SED - Diktatur mit all ihren Auswüchsen wachgehalten werden, aber mit der einseitigen Reduzierung des Lebens von 16 Mill. Menschen auf Stacheldraht und Schießbefehl wird man die Mauer in den Köpfen nicht beseitigen.
Vielleicht ist es das, was die Bürgerrechtler - die in einem Satz mit alten Funktionären in der Linkspartei zu nennen nicht zu akzeptieren ist – am Umgang mit der DDR-Geschichte stört, die Verdrängung und Geringschätzung der Lebensleistungen der Menschen im Osten. Es ist mehr als bedauerlich, daß den Bürgerrechtlern, die mit ihrem mutigen politischen Einsatz aus einem schlechten diktatorischen ein besseres demokratisches System schaffen wollten - vielleicht ein besseres als das, was sie 1989 bekommen haben, ohne Arbeitslosigkeit und drohende Altersarmut - DDR-Nostalgie unterstellt wird.

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Eintrag vom 27.02.2012 um 18:32
Geschrieben von:  Jürgen Kluth
E-Mail an Jürgen Kluth senden  E-Mail Sehr geehrter Herr Tschiche

Ihr Artikel in der SZ von heute gefällt mir, er deckt sich mit meinem " Empfinden
zur Person von Joachim Gauck. Irgendetwas
in seinem öffentl. Auftreren weckt bei
mir Misstrauen.
Ihr Artikel kommt in meine Nachttischschublade.(alles Wichtige
drin)
Wir werden sehen..........

mit freundlichen Grüssen

J.Kluth
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Eintrag vom 27.02.2012 um 17:57
Geschrieben von:  Klaus Merbeeke
E-Mail an Klaus Merbeeke senden  E-Mail Lieber Herr Tschiche,

vielen Dank für Ihren heutigen Artikel in der "Süddeutschen Zeitung" zu Joachim Gauck. Die unerträgliche Selbstverliebtheit und die naive Marktgläubigkeit Gaucks haben Sie klar und präzise formuliert.

Klaus Merbeeke
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Eintrag vom 26.02.2012 um 13:00
Geschrieben von:  Peter Rusam
E-Mail an Peter Rusam senden  E-Mail Was mich erstaunt ist die Vehemenz, mit der nun darüber gestritten wird, wer das Attribut "Bürgerrechtler" für sich in Anspruch nehmen darf und wer nicht. Selbst habe ich die DDR nur als Verwandschafts-Besucher kennen gelernt, mit Rückfahrt-Ticket in der Tasche, deshalb bin ich diesbezüglich nicht wirklich kompetent. Sowieso Agnostiker. Aber, sofern nicht undurchsichtige Verbindungen zu staatlichen Organen bestanden, bot doch die ev. Kirche zunächst mal Raum für unabhängiges Denken, immer unter Druck (auch inner-familiär: Stichwort "Studium-Verbot"). Sich da "richtig" zu verhalten stelle ich mir sehr schwer vor. Wann nun wer wie anfing, den Kopf raus zu strecken ist mir relativ Wurscht - wichtig ist doch, daß sie es taten. Gauck: verblüffend, wie aus dem Zusammenhang gerissene Zitate einen um 180 Grad anderen Sinn ergeben. Auch verblüffend: seine geradezu prototypische ev. Naivität gegenüber staatlicher Autorität, solange sie nicht "links" ist. Überhaupt nicht verblüffend: die Ablehnung durch "Die Linke". Das ist sie sich als SED-Nachfolgerin schlicht schuldig. Andere Argumente halte ich für vorgeschoben. Will sagen: ich weiß nicht, ob Gauck der richtige ist für Heutzutage. Aber da halte ich's mit Trittin: Möge er mich auch ärgern.
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Eintrag vom 26.02.2012 um 10:36
Geschrieben von:  Andreas Rochow
E-Mail an Andreas Rochow senden  E-Mail Zu Ihrer Suade "Gauck ist die falsche Person"

Jeder Unfug, mit Ausnahme der Leugnung des Holocaust und der Verherrlichung des Nationalsozialismus, wird durch die Meinungsfreiheit gedeckt. Wundersamer Weise sind ein hohes Maß an differenziertem Urteilsvermögen und Anstand weit verbreitet. So bleiben die Stimmen hör- und lokalisierbar, die sich jetzt zum Gauck-Bashing erheben. Ihnen, der übereilt das Bündnis mit den Grünen herbeiführte, ist die Beendigung der friedlichen Revolution vorzuwerfen. Schließlich sitzen/saßen Sie mit dem arroganten Pol-Pot-Verherrlicher Jürgen Trittin und einem so selbstdarstellerischen Playboy und Terroristenversteher wie Hans-Christian Ströbele und mit Menschen, die die deutsche Vereinigung nicht wollten, an einem Tisch. Wie die früheren DDR-Herrscher haben Sie schnell zu einer linken und bewusst antikonservativen Weltanschauung gefunden, die zu Unheil geradezu prädestiniert: Ohne Vergangenheit – vorbei an der Gegenwart – hinein in eine lichte Zukunft!
Es gehört nicht viel dazu, mit Ihnen hier nicht übereinzustimmen. Ich möchte keinesfalls – wie Sie das im Fall von Joachim Gauck tun – Ihr Wirken in Bausch und Bogen beschimpfen und abwerten und Sie als Person unmöglich machen. Sie tun dies gerade selbst. Das „Neue Deutschland“ lebt! Die Gegner der friedlichen Revolution – Sie wissen von wem ich rede – werden jubeln….
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